• Freie Rede – auch für Erdogan

    Der türkische Wahlkampf in europäischen Ländern stösst auf Widerstand. Politiker von links bis rechts rufen dazu auf, die gesetzlichen Grundlagen voll auszuschöpfen, um entsprechende Veranstaltungen abzusagen. Es ist jedoch unklar, ob sich ein Verbot türkischer Wahlkampfveranstaltungen mit Artikel 22 der Bundesverfassung verträgt, der die Versammlungsfreiheit gewährt. Es vertrage sich nicht, meint beispielsweise die Unabhängigkeitspartei up!, die nebst der Versammlungsfreiheit auch auf die Meinungsäusserungsfreiheit pocht und in der aktuellen Debatte beides in Gefahr sieht.

    Die türkische Regierung unter Erdogan fiel in letzter Zeit häufig durch heftige Eingriffe in die freie Meinungsäusserung , die Medienfreiheit und die Versammlungsfreiheit ein. Viele Beobachter sind sich einig, dass die Türkei sich mit diesen Eingriffen immer weiter vom Wesen eines modernen Rechtsstaats entfernt. Auch Martin Hartmann von up! betont die Wichtigkeit dieser Grundrechte: “Diese aufklärerischen und rechtsstaatlichen Prinzipien unterscheiden uns von einer mittelalterlichen Monarchie. Die freie Rede ist das wichtigste Recht überhaupt. Erst durch sie können Missstände besprochen und adressiert werden”, so Hartmann.

    Er hält weiter fest, dass es dem Staat nicht zustehe, das freie Wort zu verbieten – auch nicht für Äusserungen, die vielen grotesk erscheinen, wie etwa bei Erdogan. Zu jeder Aussage liessen sich Leute finden, die sich daran stören würden. Heftiger Gegenwind könne darum kein Grund sein, um Äusserungen zu verbieten. Ansonsten würde sich die Redefreiheit im Nu in nichts auflösen.  „Wir haben die freie Rede nicht, um über das Wetter zu sprechen, sondern um sehr kontroverse Sachen zu diskutieren“, zitiert Hartmann den amerikanischen Politiker Ron Paul. Auch wenn es schwer zu ertragen sei, dass ein Gegner der Meinungsfreiheit wie Erdogan hierzulande von der Meinungsfreiheit profitiere, müsse eine Demokratie das aushalten können, um die Meinungsfreiheit als Ganzes zu bewahren.

     

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