• Nach Brexit: up! fordert Freihandel mit Grossbritannien

    up! freut sich über die Entscheidung der britischen Stimmbevölkerung, sich aus der EU zurückzuziehen. Diese Entscheidung ist eine Chance für Grossbritannien, Europa und auch die Schweiz. up! fordert, dass die Schweiz gegenüber Grossbritannien bereits jetzt Interesse an einem echten, bürokratiefreien Freihandelsabkommen signalisieren soll. So hätten die Briten weniger Umstellungskosten zu tragen und die Schweiz hätte einen starken Partner für zukünftige Verhandlungen mit der EU.

    Allen Schwarzmalereien zum Trotz ist der heutige Tag ein grossartiger Tag für Europa. Die EU hat sich in den letzten Jahrzehnten ungesund entwickelt, nämlich weg von einer locker verflochtenen Freihandelszone, hin zu einem bürokratischen Überbau mit dem erklärten Ziel, den Wettbewerb der Systeme in Europa auszulöschen. Gerade dieser Systemwettbewerb ist es aber, der Europa überhaupt so freiheitlich, innovativ und vielfältig gemacht hat. Durch den Austrittsentscheid der britischen Bevölkerung wird die Austrittsmöglichkeit in der EU überhaupt etabliert. Der Wettbewerb der Systeme kann wieder mehr spielen. Ist der EU-Austritt möglich, so wird die EU in ihrem Zentralisierungsstreben gebremst. Vielleicht findet sie dadurch sogar zum richtigen Kooperationsmodell zurück, nämlich einer liberal inspirierten Freihandelszone.

    Darum hofft up!, dass Regierung und Parlament in Grossbritannien das heutige Abstimmungsergebnis ernst nehmen und tatsächlich Austrittsverhandlungen einleiten. In diesen Verhandlungen hat Grossbritannien nun die Möglichkeit, es Norwegen und der Schweiz gleichzutun und einmal mehr zu beweisen, dass die Ablehnung von EU-Regulierung nichts mit der Ablehnung von Freihandel oder Einwanderung zu tun hat. Gelingt den Briten dies, so dürften sich auch die Folgekosten des Brexit in Grenzen halten. Um die Briten in diesem Unterfangen zu unterstützen, soll die Schweiz bereits jetzt Interesse an einem Abkommen signalisieren, in dem freier Güter-, Personen- und Kapitalverkehr beidseitig garantiert wird. So kann Grossbritannien den wirtschaftlichen Befürchtungen entgegentreten, dass es sich mit einer Abkehr von der EU von der Welt abschotten will. Ausserdem erhält die Schweiz so einen starken Verbündeten in zukünftigen Verhandlungen mit der EU und hilft mit, eine liberale Alternativvision für Zusammenarbeit in Europa aufzubauen.

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2 Comments

  1. Cyrill Burch sagt: 24. Juni 2016 at 10:32

    Ich finde diese Meinung interessant und sicher ist es gut sich solche Gedanken zu machen. Eventuell verbessert sich das «Bürokratiemonster EU» wegen diese Abstimmung. Aber Simon Scherrer mit seinen krassen, radikal-liberalen Ideen blendet komplett aus, dass Fremdenfeindlichkeit und Populismus entschieden hat und nicht die Freiheit. Es gibt immer Vorteile und Nachteile, aber für die Schweiz ist eine friedliche und funktionierende EU das Beste um weiterhin «De Füfliber unds Weggli» zu bekommen. Wer diesen Entscheid feiert, ist sich den Konsequenzen nicht bewusst.
    Es werden noch mehr Populisten Referenden verlangen und Europa auseinanderreissen. Die Alternative ist, dass die EU Grossbritannien stark unter Druck setzt, was wiederum die Wirtschaft Europas für Jahre aussetzt. Es gibt heute nichts zu feiern, egal durch welche ideologische Brille man es sehen will.

  2. Paul Steinmann sagt: 2. Juli 2016 at 11:10

    Da muss ich doch Cyrill Burch deutlich widersprechen. Ich finde die Haltung von Simon Scherrer und der up!schweiz sehr realistisch und positiv.
    Die Briten haben sich in einer fairen Wahl (im Gegensatz zu Österreich!) für mehr Freiheit und Selbstbestimmung entschieden und damit die (direkte) Demokratie gestärkt.
    Sie, Cyrill Burch, unterschätzen die Gefahren einer trägen und undemokratischen EU und Sie verkennen die berechtigte Skepsis der Briten betreffend zu grosser und zu schneller Einwanderung. Das Tempo der Einwanderung selber zu steuern, ist auch eine wichtige Freiheit in der heutigen Zeit.
    Die Briten sind grundsätzlich ein einwanderungsfreundliches Land, aber sie haben erkannt, dass eine zu schnelle und zu unkontrollierte Einwanderung schlecht ist. Innerhalb der EU kann ein Land aber nicht selbstbestimmt bremsen bis die Lage wieder unter Kontrolle ist und deshalb ist der BREXIT die logische Konsequenz.
    Ich sehe eine realistische Chance, dass sich Europa nach dem BREXIT auf wirklich demokratische und liberalere Spielregeln besinnen kann und dass daraus ein besseres Europa entstehen könnte, ganz im Sinne auch der Schweiz.
    Dabei sollten Sie das Wort „Populisten“ weglassen und sich auf die legitimen und durchaus positiven Inhalte der Opposition an der EU konzentrieren. Ich hoffe, dass die EU fähig ist zu einem positiven Dialog mit GB. Bis heute ist leider eher das Gegenteil zu erkennen.
    Lasst uns in der CH mutig den bilateralen Weg mit GB beschreiten!
    Mehr Demokratie und ein freieres Europa von unabhängigen Staaten auf Augenhöhe, durch freien Handel freundschaftlich verbunden, können nicht schaden.

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