• Präzisierungen zur Spekulationsstopp-Stellungnahme

    In einem Artikel auf NZZ Campus verweist uns Servan Grüninger von reatch, einer jungen Denkfabrik für wissenschaftliche und wissenschaftspolitische Themen, auf einige Ungenauigkeiten in unserer Stellungnahme zur Spekulationsstopp-Initiative. Tatsächlich bedarf die Stellungnahme einer Präzisierung unsererseits. Die grundsätzlichen Aussagen sowie die Schlussfolgerung (Nein-Parole) ändern sich dadurch aber nicht.

    In erster Linie nehmen wir positiv zur Kenntnis, dass Servan Grüninger die Stellungnahmen beider Seiten kritisch unter die Lupe nimmt. Ausserdem sind wir erfreut, dass unsere Stellungnahmen von interessierten Beobachtern verfolgt und als reichhaltig genug erachtet werden, um sie mit einer Analyse zu würdigen („Die verwendeten Beispiele entstammen alle der Website des Pro-Komitees sowie der Stellungnahme der Kleinpartei up!schweiz, welche die Initiative ablehnt und mehr Informationen zur Verfügung stellt als das überparteiliche Gegenkomitee. [Betonung hinzugefügt]“). Servan Grüninger lobt sowohl die Initiativbefürworter als auch uns für das Bemühen, die Argumentation auf „unabhängige Erhebungen“ zu stützen. Nichtsdestotrotz bringt er einige, teilweise berechtige Kritikpunkte an.

    Agrarrohstoffpreise statt Nahrungsmittelpreise
    Servan Grüningers gewichtigster Kritikpunkt betrifft den Titel der Grafik, mit der wir den langfristigen Preistrend für Nahrungsmittel auf den Weltmärkten aufzeigen wollten. Die Grafik stammt aus einer amerikanischen Studie aus dem Jahr 2012 und bildet den „Agricultural Price Index“ von 1990 bis 2010 ab. Der „Agricultural Price Index“ ist eine Mischrechnung aus den Preisen verschiedener landwirtschaftlicher Produkte, gewichtet nach ihrem Handelsvolumen. Der Haken: Der „Agricultural Price Index“ beinhaltet zwar überwiegend Nahrungsmittelpreise, jedoch auch Preise von Nonfood-Rohstoffen wie Baumwolle, Gummi oder Holz. Betrachtet man die Nahrungsmittelpreise alleine, sieht die Kurve zwar recht ähnlich aus. Trotzdem: Der Grafiktitel „Nahrungsmittelpreise: The Big Picture“ ist daher irreführend und sollte eher „Agrarrohstoffpreise: The Big Picture“ lauten. Servan Grüninger liegt mit seiner Kritik hier richtig. Wir haben den Grafiktitel demzufolge präzisiert.

    160220-Spekustopp-Agrarpreise

    The Big Picture: Der Zeitraum ab 1900
    Desweiteren wird an der Grafik kritisiert, dass wir mit der X-Achse herumgespielt hätten, um mit dem Zeithorizont von über hundert Jahren den Preisanstieg vor 2010 vernachlässigbar erscheinen zu lassen. Wie der Titel suggeriert, soll die Grafik aber den Megatrend bei den Preisen darstellen, wozu uns dieser Zeithorizont geeignet erscheint. Damit soll der Punkt illustriert werden, dass die von den Initianten monierte, praktisch absolute Marktmacht der Spekulanten logisch betrachtet nicht existieren kann, da sonst niemals Preissenkungen zu erwarten wären. Wir erwähnen in unserer Stellungnahme ausserdem durchaus, dass die Preiskrisen um 2010 problematisch waren, jedoch wohl nicht der Spekulation, sondern eher exogenen Schocks zugeschrieben werden können. Nicht zu vergessen ist auch, dass die Nahrungsmittelpreise seit 2010 wieder deutlich gesunken sind.

    Effekt der globalen Marktintegration
    Servan Grüninger merkt richtigerweise an, dass sich mit der Grafik nicht beweisen lässt, dass die Integration der Nahrungsmittelversorgung in globale Märkte zu sinkenden Preisen geführt hat, da auch andere Gründe wie effizientere Produktionsmethoden dafür ausschlaggebend sein könnten. Unsere diesbezügliche Formulierung war nicht richtig und wurde geändert. Die Entwicklung auf der Grafik spricht jedoch wiederum sehr dafür, dass Spekulation keine preistreibenden Effekte hat, die alle anderen Effekte in den Schatten stellen würden. Erweitert man das Bild, spricht ausserdem sehr viel dafür, dass die Integration in globale Märkte mittels Freihandel sehr positive Effekte hat.

    Relative und absolute Anzahl Hungerleidender
    In einem letzten Kritikpunkt merkt Servan Grüninger an, dass eine zweite Grafik nur die Abnahme bei der relativen Anzahl Hungerleidender anzeigt. Erstens ist dies jedoch korrekt so vermerkt, zweitens ist bereits eine relative Abnahme als Erfolg zu bezeichnen und drittens sinkt auch die absolute Anzahl Hungerleidender auf der Welt.

    160107-Spekustop-unterernährt

    Schlussfolgerungen bleiben gültig
    Auch angesichts Servan Grüningers berechtigter Einwände bleiben die gezogenen Schlussfolgerungen in unseren Augen valide: Die Initianten der Spekulationsstopp-Initiative können keinen preistreibenden Effekt von Terminmarktspekulation nachweisen, sehen sich einer robusten Sammlung gegenteiliger Evidenz gegenüber und schlagen eine Lösung vor, die wahrscheinlich kontraproduktiv wirken würde.

    Danke!
    Dennoch danken wir Servan Grüninger für seine richtigen Anmerkungen und sein Bemühen um eine sachliche Debatte. up! hat es sich zum Ziel gesetzt, aktuelle politische Themen fundiert aus einer liberalen Perspektive zu kommentieren. Kritische, konstruktive Einsprüche wie diejenigen von Servan Grüninger helfen uns, diesem Ziel näher zu kommen.

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