• Nordkorea lernt, die Sozialisten nicht

    Xiaogang, China, 1978: Maos „Grosser Sprung nach vorn“ hat gerade erst 45 Millionen Menschen in den Hungertod gerissen. Der Landbesitz ist verstaatlicht, die Feldarbeit wird in Kollektiven erledigt, alle Erträge gehen an den Staat. Mit dem für des ökonomischen ABCs mächtigen Beobachter vorhersehbaren Resultat, dass die Erträge praktisch auf null sanken.
    In einem kleinen Dorf in Ostchina widersetzt sich die Bevölkerung aber den kommunistischen Anordnungen aus Peking. Die Bauern von Xiaogang teilen die verstaatlichten Felder unter sich auf, bewirtschaften sie auf individueller Basis, behalten die Überschüsse für sich und treiben Handel (wohlbemerkt alles unter Todesstrafe verboten). Resultat: Innerhalb eines Jahres (!) verfünffachen sich die Erträge (!!), das Pro-Kopf-Einkommen verzwanzigfacht (!!!) sich. Die Bottom-up-Privatisierung von Xiaogang dient später als Vorbild für die wirtschaftlichen Reformen in ganz China.

    Rason, Nordkorea, 2015: 3.5 Millionen Hungertote in den letzten 20 Jahren. Wegen Nahrungsmittelknappheit ist es üblich, Gras zu essen, oder gar die an Hunger oder Krankheit verstorbenen Verwandten. Die Landwirtschaft „funktioniert“ noch gleich wie in Maos China. Bis kürzlich. Da beschloss das Regime nämlich, dass die Bauern Felder individuell bewirtschaften und ihre Erträge grösstenteils selbst vertreiben dürfen (wohlbemerkt über die Schwarzmärkte, ohne die das Land schon längst zusammengebrochen wäre). Resultat: Rekordernte in Nordkorea. Nach Schätzungen Versiebenfachung des Wachstums (http://econ.st/1zRXs6p).

    Boaaaah!
    Wer hätte _das_ erwartet?

    Derweil sehnt sich die hiesige Intelligenzija nach einer Alternative zum „weltumspannenden Kapitalismus neoliberalster Sorte“, der die Menschen ausblute und verarmen lasse. Mehr Kollektive, weniger Privateigentum. Wegen ökosozialer Teilhabe und so.

    Liebe Sozialisten,
    euer Kollege Karl Kautsky schrieb 1918: „Würde uns nachgewiesen, dass wir darin irren, dass etwa die Befreiung des Proletariats und der Menschheit überhaupt auf der Grundlage des Privateigentums an Produktionsmitteln allein oder am zweckmässigsten zu erreichen sei, dann müssten wir den Sozialismus über Bord werfen, ohne unser Endziel im geringsten aufzugeben. Ja, wir müssten es gerade tun im Interesse dieses Endziels.“

    Meine Frage: Wie viele Nachweise braucht ihr denn noch? Wie viele Menschen müssen noch sterben, bis ihr begreift, dass Planwirtschaft und Verstaatlichung nicht die Lösung sind, sondern das Problem?

    (Quelle: hier)

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